Sprachhygiene

Vor der Therapiesitzung am Dienstag können wir therapiestörendes Verhalten besprechen. Zum Beispiel Spannungen innerhalb der Gruppe oder störendes Sozialverhalten (Zuspätkommen, körperliche Beziehungen). Ich würde gern mal den Aspekt der Sprachhygiene thematisieren. Und damit meine ich nicht den hier postulierten Ansatz seinen Ausdruck hinsichtlich der Verbalisierung negativer Denk- und Verhaltensweisen zu überprüfen. Mir geht es um die Einhaltung wesentlicher grammatikalischer Grundregeln. Die Verwendung von „wie“ und „als“ zum Beispiel. Oder „einzige“ statt „einzigste“. Jedes Mal wenn jemand „nach LIDL geht“, bekomme ich Magenkrämpfe. So kann ich nicht arbeiten. Meine Idee Grammatikregeln in den Therapieräumen aufzuhängen, wird wohl auf wenig Gegenliebe stoßen.

Am Freitag wurde mir mitgeteilt, dass ich eine Persönlichkeitsstörung des impulsiven und zwanghaften Typs habe. Vielleicht springe ich das nächste Mal einfach auf, schreie „ZU! Es heißt „ZU LIDL!“ und werfe mich zitternd auf den Boden. Ich wäre gespannt, ob diese Reaktion eine spracherzieherische Wirkung auf meine Mitpatienten entfaltet. Man könnte es dann in das pädagogische Curriculum von Lehramtsstudenten aufnehmen. Zudem wären meine Therapeuten von der Treffsicherheit ihrer Diagnose gewiss begeistert. Nachdem sie mich für 48 Stunden zur fröhlichsten Depressiven der modernen Psychoanalyse erklärt hatten, wäre das mal ein schönes Erfolgserlebnis.

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