Angst

Ich hatte heute ein Doppelgespräch mit meiner Therapeutin und meinem Bezugspfleger. Nachdem ich letzte Woche brav und nach über der Hälfte der Zeit endlich meine Therapieziele habe vorstellen dürfen, ging es darum sich abzustimmen wer mich in welchen Bereichen auf welche Weise bei der Zielerreichung unterstützen kann. Operative Arbeitsteilung, Koordination und Kooperation. Das kann ich nur gutheißen.

Einleitend überrascht mich meine Therapeutin jedoch mit der Frage, ob ich mir meiner Wirkung auf andere bewusst wäre. Mein Gesichtsausdruck dürfte das „Hä?!“ in meinem Kopf einigermaßen widerspiegeln. In den Teambesprechungen sei ihr aufgefallen, dass man möglichst versuche die Anregungen von Frau Nuthouse umzusetzen. Man versuche mir alles recht zu machen. Kurz, das Team hätte Angst vor mir. Vor meinem Sarkasmus. Und Gegenargumentationen.

Ok. Ich gebe zu, dass mich das ein bisschen stolz macht. Ich versuche es aber nicht zu zeigen. Stattdessen habe ich ernsthaft etwas gesagt wie: Verstehe ich gar nicht. Ich bin doch ein echtes Superschnucki. Und versuche diese Aussage mit einem zuckersüßen Lächeln zu unterstreichen. Meine Therapeutin lächelt zurück. Ich glaube, sie glaubt mir nicht, dass ich das selber glaube.

Ich habe ehrlich gesagt vergessen wie das Gespräch dann diesbezüglich weiterging. Ich habe mir aber vorgenommen meinen Bezugspfleger zu fragen, ob er auch Angst vor mir habe. Das wäre irgendwie schade. Und einer fruchtbaren Zusammenarbeit auf Dauer nicht zuträglich. Zumal er vorschlug mit mir an meinen dysfunktionalen Beziehungsmustern arbeiten zu wollen. Darauf freue ich mich jetzt schon.

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Ein Gedanke zu “Angst

  1. Das kenne ich, der wunderbare Sarkasmus und Zynismus, wie er nur erfahrenen Jugendlichen bis Erwachsenen zur Verfügung steht, verschreckt nicht nur Kinder, sondern läßt gelegentlich auch Größere zusammenzucken…
    Und: „Ich bin eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu“ ist eben kein dummer Spruch. Man schafft es so selten, man hat zu gut trainiert. Und es ist verdammt gefährlich für das Anderssein, da draussen und manchmal auch drinnen.

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