Mathematik der Kommunikation

Ich habe hier grundlegende Dinge über Kommunikation gelernt.

Nach meiner Erfahrung nimmt im professionellen Kontext die Ergebnisqualität von Gesprächen mit der Anzahl der Teilnehmer exponentiell zu. Vorausgesetzt die Beteiligten sind an einer konstruktiven und themenfokussierten Diskussion interessiert. Bis der Extremwert erreicht ist, summiert sich das Wissen der Anwesenden, geht neue Verbindungen ein und der Erkenntnisgewinn liegt höher als die Anzahl der Teilnehmer. Man könnte es mit folgender Funktion beschreiben:

   f(x) = – 1/8(x-6)2 + 12

Wobei x die Anzahl der Teilnehmer abbildet und f(x) die im Gespräch generierten Erkenntnisse und die Ergebnisqualität.

Hier ist es anders.

Wenn mehr als zwei Menschen zusammenkommen, passen sich Inhalt und Gesprächsniveau dem schwächsten Glied der Kette an. Man einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, mathematisch korrekter das kleinste gemeinsame Vielfache. Man multipliziert alle Zahlen unterm Strich. Das wird eine hohe Zahl. Die ungefähr die Quantität der in den Raum geworfenen Worte widerspiegelt. Unterm Bruch stehend symbolisiert die große Zahl aber auch ihre Qualität, heißt die damit transportierten Inhalte. In einer Funktion würde es sich entsprechend so darstellen:

f(x) = -2 (x-2)2 + 2

Der Scheitelpunkt dieser nach unten geöffneten Parabel liegt wie im normalen Leben bei S(2/2). Zweiergespräche bieten die Rahmenbedingungen für Offenheit und Vertrauen, die erst vernünftigen und persönlichen Austausch ermöglichen. Je mehr Menschen zusammenkommen, desto mehr bleiben die Gespräche an der Oberfläche. Und erreichen gerade hier Rekordwerte auf der nach oben offenen Bullshit-Skala.

Daher meide ich in der Klinik Menschenansammlungen. Oder flüchte, sobald mehr als drei Personen zusammenkommen. Trotzdem habe ich hier bisher niemanden, wirklich niemanden getroffen, mit dem man keine interessanten, anregenden oder erkenntnisreichen Gespräche führen kann. Dies geht aber nur zu zweit. Sowie die meisten schönen Dinge im Leben.

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2 Gedanken zu “Mathematik der Kommunikation

  1. Sehr guter Beitrag. Ich habe nie erlebt, dass eine Gruppentherapie jemals Konstruktiveres hervorgebracht hat als ein guter Dialog – mit dem/der Therapeutin oder Mitpatienten. Eher kann hier die gruppenspezifische Dynamik Destruktives erzeugen, ganz abgesehen vom ‚kleinsten gemeinsamen Nenner‘. Der im Übrigen ja auch ‚draussen‘ umso häufiger gefunden wird, je größer die Gruppe ist und je mehr Schenkel es zu klopfen gilt bei Kalauern, für die man sich im Dialog zu Recht schämen würde…

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    1. Sehr guter Beitrag. Ich habe nie erlebt, dass eine Gruppentherapie jemals Konstruktiveres hervorgebracht hat als ein guter Dialog – mit dem/der Therapeutin oder Mitpatienten. Eher kann hier die gruppenspezifische Dynamik Destruktives erzeugen, ganz abgesehen vom ‘kleinsten gemeinsamen Nenner’. Der im Übrigen ja auch ‘draussen’ umso häufiger gefunden wird, je größer die Gruppe ist und je mehr Schenkel es zu klopfen gilt bei Kalauern, für die man sich im Dialog zu Recht schämen würde…

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